Die Künstler von Khlong Muang (1)

2010
07.30

Die Westküste Krabis ist mit Hunderten von Karstfelsen gesprenkelt. Sie ragen unvermittelt und schroff aus dem türkisblauen Wasser der Andaman Sea und bilden auch auf dem Festland bizarr geformte Inseln, die sich hell und eigenwillig aus dem satten Grün der Ölpalmen-Plantagen recken.

Doch so exotisch das Landschaftsbild Krabis ist, die Provinz verfügt über ein komplexes Ökosystem, das auch im Detail Spektakuläres bietet.

Ich bin an der Westküste, am Strand von Khlong Muang unterwegs, und es ist Ebbe. Die Bucht mit ihrem drei Kilometer langen Sandstrand ist menschenleer. Das Meer hat sich zurückgezogen und Unmengen an Muscheln freigegeben.

Mir fallen wundersame Muster im Sand auf, die bei genauerem Hinsehen aus einer Vielzahl winziger Sandbälle zusammengesetzt sind.


Betrachtet man die Muster im Ganzen, erscheinen sie zumeist strahlenförmig um ein winziges Sandloch geordnet. Doch gleicht kein Strahlenkranz dem anderen. Mal scheinen die unsichtbaren Künstler Blätter rätselhafter Pflanzen zeichnen zu wollen, dann wird im Sand die Form einer Palme erkennbar. Soviel Formen ich auch betrachte, das Grundprinzip scheint immer das Gleiche: die mysteriösen Verzierungen sind aus halbrunden Bahnen zusammengesetzt, die ihrerseits durch winzige Sandkügelchen ausgelegt sind.

Man muss nicht viel Geduld aufbringen, um die Künstler selbst zu sehen.

Kleine Krabben, grau-gelb, fast durchsichtig, nicht viel größer als Fliegen oder kleine Käfer, krabbeln behände aus Bodenlöchern, die ihnen als Unterschlupf dienen. Geschickt schaufeln sie Sandkörner, formen in etwa zehn Sekunden einen Sandball, halb so groß wie sie selbst.  Gewandt lassen sie ihn seitlich hinter sich gleiten. Ohne Zeitverlust schaufeln sie erneut und produzieren flink weitere Kügelchen, die sie teils konzentrisch, teils in langen Bahnen um ihren Unterschlupf anordnen.  Es genügt eine flüchtige Handbewegung – und sie sind blitzschnell darin verschwunden. Doch sobald die Luft rein scheint, machen sie sich wieder emsig an die Arbeit.

Die Vielzahl geometrisch abgelegter Sandbällchen ergibt – mit Abstand betrachtet – jene eigenwillige Dekoration, die viele Strände Krabis bei Ebbe wundersam verziert. Dieses Phänomen zeigt sich übrigens nicht nur an den Küsten Südostasiens.

Warum aber formt eine winzige Krabbe Bällchen aus Sand? Welchen Zweck haben diese seltsamen Dekorationen?

Inzwischen kehrt die Flut zurück. Die winzigen Künstler verschwinden blitzartig in ihrem Sandloch, das von den ersten Wellen überspült wird. Blasen steigen auf. Dann eine neue Welle  – und die Muster sind ausgelöscht.

Zur Fortsetzung …

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