Aufstieg zum Tiger Cave Temple in Krabi
Ich bin wieder einmal zu spät, ich hätte vor 9 Uhr hier ankommen sollen, und nun ist es 11 und es ist schwül und windstill, aber noch bin ich ja im Schatten. Die riesigen Bäume sorgen für Kühle. Das dicht bewaldete Tal hinter dem Tempel nutze ich zum Atemholen.
Der schmale feuchte Weg führt unter einem grünen Himmel am Karstfelsen entlang. Ich kann mich dem sakralen Charme des Ortes nicht entziehen, die Natur selbst hat sich hier ihre Kathedrale gebaut. Bäume wie Säulen, einige Hopea latifolia mit unglaublich ausladender Basis, eine urweltlich anmutende Gotik, die den Blick nach oben zwingt. Palmen formen ein feingliedriges Gewölbe ohne klar begrenzte Scheitelhöhe. Dieses Gewölbe ist licht, durchbrochen, mehrstöckig. Links von mir der Fels, eine fein ziselierte Wand, die plötzlich zurücktritt und Raum für ein düsteres Seitenschiff lässt und grottenhafte Kapellen.
Sakral ist hier alles, weiß Gott, doch wohnen hier fremde Geister, die mir meine abendländisch-christlichen Erwägungen im Bereich einer buddhistischen Tempelanlage verübeln. Meine Augen haben sich kaum an das Dunkel gewöhnt und eine Gruppe von Buddha-Statuen im Grottenhintergrund ausgemacht, als mir jemand meine Wasserflasche aus der Hand reißt und sich mit stolzem Geschnatter davonmacht. Ein Blick nach draußen und mir wird klar: ich bin einer Herde Affen aufgesessen. Ein kleiner Kerl hängt an einem Felsvorsprung und klammert sich an seine Beute, die ihm drei seiner Artgenossen streitig machen. Gegen Affen habe ich keine Chance, meine Flasche ist in für mich unerreichbare Sphären aufgestiegen und verschwindet soeben in den Rippen des Palmengewölbes. Das höhnische Kreischen von oben quittiere ich mit buddhistischer Gelassenheit. Doch Wasser werde ich brauchen, inzwischen ist es fast Mittag und ich bin nach wie vor entschlossen die 1237 Stufen zum oberen Tempel zu steigen.
Der Waldpfad führt mich an Mönchszellen vorbei und entpuppt sich als Rundweg. Zurück am Tempeleingang wird mir klar, dass mir dank des Affenüberfalls jene Gesteinsformation entgangen ist, die namensgebend für den Tiger Tempel war.
Der Tempelshop erweist sich als gut ausgestattet, doch mir geht es nur um Wasser.
Die ersten Treppenstufen sind schnell erklommen. Es wird steiler, die Stufen werden höher, es wird unangenehm heiß, die Luft wird knapp. Und dann sind sie wieder da, links und rechts ist der schmale Aufstieg von Affen flankiert, die mich taxieren und auf einen günstigen Moment hoffen. Ich verstaue meine neue Flasche in der Kameratasche und setze den Aufstieg fort – ungerührt und ungehindert.
(Fortsetzung folgt)
Tipps und Organisatorisches zum Tigerhöhlentempel (Wat Tham Sua)
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